{"id":367,"date":"2020-05-09T13:44:59","date_gmt":"2020-05-09T13:44:59","guid":{"rendered":"http:\/\/l4e.nentwich.ch\/?p=367"},"modified":"2026-03-24T09:39:40","modified_gmt":"2026-03-24T09:39:40","slug":"maenner-und-gleichstellung-ein-ambivalentes-verhaeltnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leaders4equality.ch\/en\/maenner-und-gleichstellung-ein-ambivalentes-verhaeltnis\/","title":{"rendered":"M\u00e4nner und Gleichstellung &#8211; ein ambivalentes Verh\u00e4ltnis"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"367\" class=\"elementor elementor-367\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-b0d54d2 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"b0d54d2\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-9f728c4 elementor-widget elementor-widget-spacer\" data-id=\"9f728c4\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"spacer.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-spacer\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-spacer-inner\"><\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-6004ae3 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"6004ae3\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-032810d elementor-widget elementor-widget-heading\" data-id=\"032810d\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"heading.default\">\n\t\t\t\t\t<h2 class=\"elementor-heading-title elementor-size-default\">M\u00e4nner und Gleichstellung - ein ambivalentes Verh\u00e4ltnis\n<\/h2>\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-6b83211 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"6b83211\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-29fa9a1 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"29fa9a1\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<header class=\"content-wrapper\"><h6>Julia Nentwich<br \/>9. Mai 2020<\/h6><p><br \/>M\u00e4nner setzen sich zunehmend f\u00fcr die F\u00f6rderung der Gleichstellung der Geschlechter ein. Sie unterst\u00fctzen Frauen als Kolleginnen und Mitarbeiterinnen, streben gleichberechtigte Partnerschaften an und bem\u00fchen sich um eine faire Arbeitsteilung in der Familie. Zugleich sind M\u00e4nner unsicher, inwieweit sie sich \u00f6ffentlich \u2013 in der Gesellschaft oder auch im Unternehmen als Unterst\u00fctzer f\u00fcr Gleichstellungsanliegen zu erkennen geben wollen. Sie stellen sich die Frage, wie sie von anderen M\u00e4nnern wahrgenommen werden und ob ihr Engagement ihre M\u00e4nnlichkeit in Frage stellt. Auch besteht Unsicherheit, inwieweit sie bei den in der Gleichstellungsarbeit aktiven Frauen \u00fcberhaupt \u00aberw\u00fcnscht\u00bb sind. Obwohl M\u00e4nner die Wichtigkeit von Gleichstellungsanliegen auch f\u00fcr sich selbst erkennen, scheint ihr Verh\u00e4ltnis ambivalent zu sein. Wie kommt es dazu?<\/p><p>Sich f\u00fcr Gleichstellung einzusetzen kann riskant sein, f\u00fcr M\u00e4nner wie f\u00fcr Frauen: Um Ver\u00e4nderungen zu bewirken ist es notwendig, bisherige Selbstverst\u00e4ndlichkeiten in Frage zu stellen \u2013 doch das l\u00f6st Verunsicherung bei Kollegen und Kolleginnen im Unternehmen aus und wird zun\u00e4chst einmal wenig gesch\u00e4tzt. Man macht sich unbeliebt und wird verletzlich. Das betrifft grunds\u00e4tzlich Frauen wie M\u00e4nner, allerdings auf unterschiedliche Weise: Spricht z.B. eine Frau im Unternehmen eine erlebte oder beobachtete Diskriminierung offen an, riskiert sie, als \u00abfrustriert\u00bb oder \u00abhysterisch\u00bb dargestellt zu werden (Morley, 1994). Die Reaktionen der anderen fallen h\u00e4ufig sehr emotional und verletzend aus (Wahl et al., 2014) und stellen ihre Wahrnehmung, wenn nicht die ganze Person in Frage. Sich gegen Diskriminierung einzusetzen ist keinesfalls immer und \u00fcberall positiv konnotiert.<\/p><p>Auch M\u00e4nner machen sich angreifbar, setzen sie sich offen f\u00fcr Gleichstellungsanliegen ein. Auch sie laufen Gefahr, nicht ernst genommen, abgewiegelt, als \u00abzu weich\u00bb oder \u00abemotional\u00bb eingesch\u00e4tzt zu werden. M\u00e4nner betreffen diese Reaktionen jedoch auf andere Weise: Sie verf\u00fcgen meist \u00fcber einen weitaus kleineren Erfahrungspool mit Situationen, in denen sie nicht dazu geh\u00f6ren, nicht Teil der Mehrheit sind. Zugleich verlieren sie in solchen Momenten die Unterst\u00fctzung der Gruppe m\u00e4nnlicher Kollegen, mit denen sie sich bisher aufgrund ihrer Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit (vermutlich) ganz selbstverst\u00e4ndlich zugeh\u00f6rig f\u00fchlten. Und das ist ein unangenehmes Gef\u00fchl, man bewegt sich in unbekanntem Gel\u00e4nde und ist verunsichert.<\/p><p>M\u00e4nner, die sich f\u00fcr Gleichstellungsanliegen einsetzen, fordern jedoch nicht nur die konkret an der Situation beteiligten Personen heraus, sie stellen sich auch auf Kriegsfuss mit den vorherrschenden Annahmen hegemonialer M\u00e4nnlichkeit: Warum stellt er denn pl\u00f6tzlich das f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich gehaltene in Frage? Warum wendet er sich gegen die Ansichten seiner m\u00e4nnlichen Kollegen? Ein solches \u00abAusscheren\u00bb aus der \u00abHerde\u00bb wird oftmals als Verrat gedeutet, nicht nur an der konkreten Gruppe von M\u00e4nnern, sondern an der M\u00e4nnlichkeitsnorm im Unternehmen allgemein. Deshalb bedeutet ein Engagement f\u00fcr Gleichstellung nicht Ruhm und Ehre, sondern kann zu Ausgrenzung f\u00fchren und sogar den n\u00e4chsten Karriereschritt gef\u00e4hrden.\u00a0<\/p><p>Die Beobachtungen des finnischen Managementprofessors Janne Tienari machen dies deutlich (Tienari &amp; Taylor, 2019): Stellen seine Kollegen und Kolleginnen fest, dass er sich &#8211; als Mann &#8211; in seiner Forschung mit Geschlechter- und Gleichstellungsthemen besch\u00e4ftigt, so l\u00f6se das Irritationen aus. Irritation, da die Forschung dann als weniger interessant und weniger wissenschaftlich eingesch\u00e4tzt werde. Irritation aber auch, dass er als Mann nicht in karrieref\u00f6rderlichere Themen investiere \u2013 und schon entst\u00fcnden in Folge Zweifel an seinen Karriereambitionen. Und es sind diese Irritationen und Zweifel, die die betroffenen M\u00e4nner irgendwie unm\u00e4nnlich erscheinen lassen. Hegemoniale M\u00e4nnlichkeit wird \u2013 und muss &#8211; hier herausgefordert werden. Allerdings zahlt das herausfordernde Individuum einen Preis daf\u00fcr, denn es wird in Frage gestellt.<\/p><p>Viele M\u00e4nner wollen sich f\u00fcr die Gleichstellung von Frau und Mann einsetzen und sehen durchaus, dass sie auch individuell von diesen Ver\u00e4nderungen profitieren k\u00f6nnen. Der \u00abBusiness Case\u00bb ist mehr als klar und als F\u00fchrungskr\u00e4fte f\u00fchlen sie sich selbstverst\u00e4ndlich auch den Unternehmenszielen \u2013 z.B. den Frauenanteil auf allen Stufen zu erh\u00f6hen \u2013 verpflichtet. Zugleich kann es f\u00fcr M\u00e4nner aufgrund ihres Geschlechts aber schwierig sein, sich aktiv f\u00fcr diese Ziele einzusetzen. Die Frauenbewegungen und die feministische Theorieentwicklungen haben f\u00fcr Frauen einen Boden bereitet, der zwar nicht immer einfach und mit Risiken verbunden ist, jedoch eine kollektive Identit\u00e4t bietet, die es leichter macht, klare Positionen zu beziehen. M\u00e4nnern fehlt genau diese breite und \u00f6ffentlich verbreitete Bewegung, die die individuelle m\u00e4nnliche Identit\u00e4t mit den politischen Zielen eines Kollektivs verbindet. Diese w\u00e4re aber wichtig und k\u00f6nnte M\u00e4nnern mehr R\u00fcckendeckung geben.<\/p><p>Eine L\u00f6sung aus diesen gerade f\u00fcr M\u00e4nner bestehenden Ambivalenzen hinaus k\u00f6nnte der von Tienari und Taylor (2019) skizzierte Weg sein. Sie sind beide als Managementforscher auch mit Gleichstellungsthemen befasst und er\u00f6rtern in einer in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift \u00abOrganization\u00bb erschienenen Reflexion ihren jeweils pers\u00f6nlichen Umgang mit diesen Herausforderungen. Scott Taylor bezieht sich dabei auf die von der US-Amerikanischen Feministin Bell Hooks (2000) eingebrachte Unterscheidung: Feminismus richtet sich nicht gegen M\u00e4nner, sondern verfolgt das Ziel, Gleichstellung herzustellen und Diskriminierung zu verhindern. Hooks entkoppelt hier das politische Anliegen feministischer Ans\u00e4tze zur \u00dcberwindung von Ungleichheiten von der Annahme, es betreffe ausschliesslich Frauen und m\u00fcsse auch ausschliesslich von Frauen vorangetrieben werden. Frauen, die sich zudem auch nicht alle gleichen und sicher nicht in allen Punkten miteinander \u00fcbereinstimmen. Versteht man Gleichstellung in diesem Sinne als ein politisches Anliegen, so k\u00f6nnen und d\u00fcrfen sich alle Menschen \u2013 und eben auch M\u00e4nner &#8211; f\u00fcr Gleichstellungsanliegen und gegen Ungleichheiten einsetzen.<\/p><p>F\u00fcr Scott Taylor ist diese Unterscheidung zentral (Tienari &amp; Taylor, 2019). Zwar sei es f\u00fcr ihn nicht stimmig, sich als \u00abFeminist\u00bb zu bezeichnen, da dies mit einer Geschlechter-Identit\u00e4t verbunden sei, die er als Mann nicht teile. Dennoch k\u00f6nne er laut und deutlich sagen, dass er feministische Anliegen im Sinne der damit verbundenen politischen Forderungen teile und unterst\u00fctze. Auch nutze er die Erkenntnisse und theoretischen Positionen feministischer Theorien, um Ungerechtigkeit und Diskriminierung erkennen und aufdecken zu k\u00f6nnen. Feministische Anliegen zu unterst\u00fctzen bedeutet f\u00fcr ihn, in seinem eigenen Arbeitskontext der Managementforschung bislang unber\u00fccksichtigte oder blinde Flecken anzusprechen und aufzunehmen. Gleichstellung zu unterst\u00fctzen wird so etwas, das alle Menschen tun k\u00f6nnen, die sich mit den Zielen der Anti-Diskriminierung und dem Verhindern von Ungerechtigkeit identifizieren k\u00f6nnen. So erkl\u00e4rt er: \u00abI feel ontologically secure as a man, but I want to disrupt the behaviours I associate with the uglier aspects of masculinities, such as anti-feminist, sexist or misogynist acts, for personal and politicial reasons\u201d (Tienari &amp; Taylor, 2019, p. 951). In der von Scott Taylor aufgezeigten Weise k\u00f6nnen auch M\u00e4nner Zugang und damit die notwendige \u00abR\u00fcckendeckung\u00bb aus den feministischen Bewegungen erhalten: \u00abFeminism is for everybody\u00bb! (Hooks, 2000). Damit wird der Einsatz f\u00fcr die Gleichstellung zwar nicht weniger riskant, man steht aber auch nicht mehr ganz alleine da!<br \/>\u00a0<\/p><hr \/><p><br \/>Hooks, B. (2000) Feminism Is for Everybody: Passionate Politics. Cambridge, MA: South End Press.\u00a0<a target=\"_blank\">books.google.ch\/books\/about\/Feminism_is_for_Everybody.html<\/a><\/p><p>Morley, L. (1994) Glass Ceiling or Iron Cage: Women in UK Academia, Gender, Work and Organization 1(4), 194\u2013204.<\/p><p>Tienari, J., &amp; Taylor, S. (2019). Feminism and men: Ambivalent space for acting up. Organization, 26(6), 948\u2013960.\u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1350508418805287\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">doi.org\/10.1177\/1350508418805287<\/a><\/p><p>Wahl, A. et al. (2014). Male Managers Challenging and Reinforcing the Male Norm in Management. NORA 22(2), 131-146.\u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/08038740.2013.864702\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">doi.org\/10.1080\/08038740.2013.864702<\/a><\/p><\/header>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-f729fbb e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"f729fbb\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-a8f9138 elementor-widget-divider--view-line elementor-widget elementor-widget-divider\" data-id=\"a8f9138\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"divider.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-divider\">\n\t\t\t<span class=\"elementor-divider-separator\">\n\t\t\t\t\t\t<\/span>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4nner und Gleichstellung &#8211; ein ambivalentes Verh\u00e4ltnis Julia Nentwich9. 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